27.12.2002 - 24:00 Uhr von Alexander Bloch

Vergleichstest Renault Espace, Fiat Ulysse und VW Sharan

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Auch wenn der Espace der aktuellen Renault-Design-Provokation nur gemäßigt huldigt: Gegen sein kantig progressives Äußeres wirken die Konkurrenten Fiat Ulysse und VW Sharan wie brave Pennäler auf Schulausflug.

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Doch eine auffällige Erscheinung allein machte in dieser Klasse noch keinen Bestseller. Ein Blick auf den mutigen, aber erfolglosen Fiat Multipla und den biederen, aber gut verkauften VW Sharan genügt. Ganz praktisch gesehen fehlte es dem 1,9 Liter großen Pumpe-Düse-Dieselmotor im Sharan zuletzt aber etwas an Kraft. VW hat deshalb nachgelegt und offeriert für das in Portugal gebaute Modell auch die aus Golf und Passat bekannte 96 kW (130 PS) starke Version des 1,9-Liter-Selbstzünders. Gleichzeitig aktualisiert VW die Sicherheitsausstattung und rüstet den Sharan nun mit einem serienmäßigen Bremsassistenten aus.

So ganz ohne Aufpreis gibt es beim Sharan jedoch wenig, denn auch in der 34.000 Euro teuren Ausstattungsvariante Highline fehlt es dem VW an einem serienmäßigen Radio oder einer Klimaautomatik. Was der VW dafür gleich mitbringt, sind Luxus-Details wie Holzapplikationen, Lederausstattung und 16-Zoll-Leichtmetallräder.

Espace und Ulysse bieten mehr Ausstattung

Der Espace bietet in der Privilège-Variante für 33.500 Euro mit 17-Zoll-Leichtmetallrädern, effizientem Xenon-Licht und einer Multizonen-Klimaautomatik nicht nur wesentlich mehr funktionelle Serienausstattung, der 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel des französischen Vans entwickelt mit 110 kW (150 PS) auch mit Abstand die höchste Leistung. Die Aufpreisgestaltung des Espace hält sich dazu im Rahmen. So kostet beispielsweise die große Bildschirm-Navigation nur 1.750 Euro mehr.

Ein Navigationssystem nebst CD-Autoradio mit eingebautem Dualband-Telefon hat der zusammen mit Citroën C8, Peugeot 807 und Lancia Phedra als Euro-Van entwickelte Fiat Ulysse in der Emotion-Variante gleich serienmäßig an Bord. Eine Zweizonen-Klimaautomatik sorgt zudem für links und rechts getrennte Temperatur-Einstellung. 16-Zoll-Leichtmetallräder wie bei den beiden Konkurrenten kosten jedoch zusätzlich. Der 2,2 Liter große Common Rail bietet mit 94 kW (128 PS) zudem die geringste Leistung im Test. Dafür punktet der Ulysse aber mit seinen beiden Schiebetüren. Die nehmen engen Parklücken den Schrecken und erleichtern das Einsteigen. Gleich sieben Passagiere dürfen sich in der Emotion-Variante über einen zum Teil auf Bahnen verschiebbaren Sitzplatz freuen, und für 230 Euro mehr gibt es einen achten Stuhl dazu. Trotz der üppigen Passagierzahl lässt der voluminöse Italiener aber auch den meisten Gepäckraum und die höchste Ladung zu.

Bei Variabilität und Zuladung ist der Ulysse der King

In puncto Variabilität und maximale Ladekapazität bleibt für Espace und Sharan nur das Nachsehen. Weder Schiebetüren noch ein achter Sitzplatz gehören zum Repertoire der Vans von Renault und VW. Der Sharan zwingt seine sechs Fauteuils sogar auf festgelegte Positionen. Ausbaubar sind zwar alle Fondsitze der drei Konkurrenten, aber dabei handelt es sich beim Fiat um eine hakelige und bei VW sowie Renault um eine ausgesprochen schwere Angelegenheit. Der Sitzkomfort im Fond kann ebensowenig begeistern. Am ehesten überzeugen noch die serienmäßigen Einzelsessel des Sharan mit ihren bequemen Armlehnen. Doch genügend Oberschenkelauflage bieten auch sie nicht. Beim Ulysse stört zudem der geringe Seitenhalt und beim Espace das Gurtschloss, das einem bei Kurvenfahrt unangenehm in die Hüfte piekst.

Vom Ambiente her am wohlsten fühlt man sich im Sharan. Seine hochwertig wirkenden und passgenau verarbeiteten Materialien geben ein souveränes Gefühl von leichter Eleganz. Und das Schönste daran: Egal, was man hier bedient, es kommt einem alles vertraut und logisch vor. Die beiden südeuropäischen Vans lassen eindeutig mehr innenarchitektonische Moderne zu. Besonders der Renault profiliert sich regelrecht futuristisch mit seiner volldigitalen Instrumentenlandschaft und der weit geschnittenen raumschiffähnlichen Frontpartie - Übersichtsschwächen inklusive.

Die Funktionalität des Sharan ist top

Doch der Preis für die Extravaganz im Innenraum ist hoch: Da sitzt der ESP-Knopf im Fußraum, das Radio lässt sich nur per Fernbedienung unter Kontrolle bringen, und das Drehzahlmesser-Mäusekino ist kaum interpretierbar. Der Ulysse verkneift sich derlei funktionale Extreme. Aber auch bei ihm stören die schlechte Ablesbarkeit des Tachos und die verwirrende Logik des Navigationsautoradios. Funktional gesehen sind auch die stoffbezogenen Armaturenbrettflächen nicht die glücklichste Lösung in einem von Schokoladefingern und Limo ständig bedrohten Familien-Van. Das Los der schlechten Übersichtlichkeit teilt er mit dem Espace.

Der Federungskomfort des Ulysse steigert sich mit jedem Kilogramm Zuladung. Während der Euro-Van nur mit Fahrer besetzt einen straffen, aber nicht unkomfortablen Eindruck macht, überrollt er bei Vollbesetzung besonders kurze Bodenunebenheiten mit noch mehr Ruhe und Ausgeglichenheit, ohne die Karosserie in kräftige Wankbewegungen zu versetzen. Ganz anders der Sharan: Einmal angeregt, schwingt der VW wie ein Stehaufmännchen erst mal kräftig von links nach rechts. Dabei ist das Fahrwerk noch nicht einmal besonders weich ausgelegt. Der VW teilt schlechten Fahrbahnbelag recht unmissverständlich und poltrig mit. Noch unangenehmer als die Komfortschwächen des Fahrwerks ist aber das Geräuschniveau im Sharan. Abroll-, Motor- und Windgeräusche mischen sich hier zu einem lautstarken Tutti. Welch akustische Wohltat vermittelt dagegen der Espace. Auch bei schneller Fahrt bleibt er überraschend leise und verzichtet auf ungebührliche Äußerungen. Vollends als sehr guter Reisewagen zeigt sich der Renault dann mit seinem exzellenten Fahrkomfort. Ohne übermäßige Wankbewegungen, aber mit der richtigen Dosis Schluckvermögen widmet er sich Schlechtwegestrecken.

Das Fahrverhalten des Fiat macht Spaß

In der Fahrsicherheit und dem Handling begibt sich dann wieder der Fiat an die Spitze. Er lenkt direkt und zielgenau ein und lässt sich erst ganz spät zu einem leichten Untersteuern überreden. Trotz seines nominell schwächsten Motors machen da verwinkelte Landstraßen richtig Spaß. Der Espace wirkt nicht ganz so behände. Die leichtgängige, aber um die Mittellage unpräzise Lenkung und das höchste Gesamtgewicht im Test rauben Agilität. Doch kritisch wird der schnelle Franzose in keiner Situation. Auch der Sharan begibt sich nicht in gefährliche Fahrdynamikmomente. Ihm fehlt es trotz seines straffen Fahrwerks aber auf Grund der unruhigen Karosserie an Souveränität, er untersteuert auch am kräftigsten. Dabei sind der bärige, 96 kW (130 PS ) starke Diesel und das exakt schaltbare Sechsganggetriebe gut für mehr. Die Laufruhe und das Geräuschniveau des Pumpe-Düse-Triebwerks verdienen zwar bestenfalls das Attribut rustikal. Doch wer darüber hinweghören kann, erlebt einen der besten Diesel der Zweiliter-Klasse. Nach einem bulligen Antritt bei 1.800/min hängt der Sharan gut am Gas und verbraucht zudem mit Abstand am wenigsten unter diesen drei Vans.


Das kaum schwächere Common-Rail-Aggregat des Ulysse bringt den Fiat zwar ausreichend zügig und deutlich laufruhiger voran als der Pumpe-Düse-Motor den Sharan. Doch den wohligen Nachdruck des VW und besonders die exzellenten Verbrauchswerte erreicht er nicht. Mit denen kann auch der Espace nicht mithalten. Wer seine 110 kW (150 PS) voll ausnutzt, muss damit rechnen, dass schon mal deutlich mehr als elf Liter pro 100 Kilometer aus den Einspritzdüsen schießen. In puncto Elastizität und Geräuschniveau macht dem erfreulich gleichmäßig antretenden Renault-Common-Rail-Diesel jedoch keiner der beiden Konkurrenten was vor. Zusammen mit den besten Bremsen und der umfangreichsten Sicherheitsausstattung reicht es dem Espace damit zum Sieg in der Eigenschaftswertung.

Dem angejahrten Sharan bleibt nur Platz drei

Den kann er wegen seines hohen Kaufpreises und des fehlenden Rußpartikelfilters jedoch nicht bis zum Schluss verteidigen. Während der Ulysse besonders auf Grund einer unbefriedigenden Bremsleistung und trotz seiner hohen Variabilität bei den Eigenschaften nur Zweiter wird, sichert sich der praktische Italiener dann schlussendlich dank dem besten Emissionsverhalten und seinem sehr günstigen Grundpreis den Gesamtsieg. Dem in die Jahre gekommenen Sharan reicht es nur zum dritten Platz. Komfortschwächen, die im Vergleich zur Konkurrenz lückenhafte Sicherheitsausstattung sowie der hohe Preis werfen den soliden und sparsamen Volkswagen zurück.

Technische Daten:

Ulysse

Motor:Reihenmotor
Zylinder:4
Hubraum:2179 cm³
Leistung:94 KW (128 PS)
Drehmoment (bei U/min):314 (2000)
Leergewicht:1783 kg.
Beschleunigung (0-100 km/h):12.6 s
Höchstgeschwindigkeit:182 km/h
Kraftstoff:Diesel
Grundpreis:30.190 €

Espace

Motor:Reihenmotor
Zylinder:4
Hubraum:1995 cm³
Leistung:110 KW (150 PS)
Drehmoment (bei U/min):340 (2000)
Leergewicht:1850 kg.
Beschleunigung (0-100 km/h):11.5 s
Höchstgeschwindigkeit:188 km/h
Kraftstoff:Diesel
Grundpreis:36.000 €

Sharan

Motor:Reihenmotor
Zylinder:4
Hubraum:1896 cm³
Leistung:96 KW (130 PS)
Drehmoment (bei U/min):310 (1900)
Leergewicht:1706 kg.
Beschleunigung (0-100 km/h):12.8 s
Höchstgeschwindigkeit:188 km/h
Kraftstoff:Diesel
Grundpreis:34.450 €

Quelle: www.auto-motor-und-sport.de - Alle Rechte vorbehalten. - Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Motor-Presse Stuttgart
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