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Lifestyle-Kombi mit neuem Namen

27.02.2011 - 10:00 Uhr von Sebastian Renz
Sports Tourer heißt der neue Kombi im Hause Opel. Der Zusatz
Caravan ist bei den Rüsselsheimern Geschichte.
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Sports Tourer heißt der neue Kombi im Hause Opel. Der Zusatz Caravan ist bei den Rüsselsheimern Geschichte.

Der Opel Astra erfindet sich als Kombi neu, will statt kantiger Alltagspragmatik nun den eleganten Lebensstil transportieren. Dazu gibt er den alten Namenszusatz auf – und ein paar Tugenden. Wie gut der Opel Astra Sports Tourer wirklich ist, klärt der erste Test.

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An dieser Stelle haben Sie das Recht, eine Verurteilung der Opel-Terminologie vorzufinden. Allerdings stimmen wir hier nicht in das – inzwischen recht öde – Greinen darüber ein, dass der Kombi sich nun Sports Tourer und nicht mehr Caravan ruft. Wir ereifern uns darüber, dass er sich Astra nennt, dabei könnte er doch Omega heißen.

Und das kommt so: In der Generation J um 18 Zentimeter gewachsen, erstreckt sich der von Opel als Kompaktwagen positionierte Opel Astra Sports Tourer auf schwer überschaubare 4.698 Millimeter. Damit unterbietet er den Omega A Caravan von 1987 – mit seinem sperrigen Längsmotor-Hinterradantriebslayout und einem Ladevolumen von 540 bis 1.850 Liter für viele noch immer Inbegriff des großen Opel-Kombis – um nur 32 Millimeter und damit weniger als die Breite einer Streichholzschachtel.

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Eher bescheidenes Platzangebot im Opel Astra Sports Tourer

Mit dem Opel Astra Sports Tourer steht also eine ziemliche Menge Auto auf dem Parkplatz. Doch was der Sports Tourer mit dem Längenzuwachs gegenüber seinem Vorgänger, dem kantigen Astra H Caravan, macht, beeindruckt nicht. Er verplempert die Zentimeter im Vorbau. Das Platzangebot im Opel Astra Sports Tourer ist für ein so großes Auto bescheiden. Pilot und Co. haben so viel Raum wie in der 1.010 Euro billigeren Limousine. Es genügt also, wobei die breite, flache A-Säule das Raumgefühl einschränkt. Ansonsten passt es mit der Ergonomie im Cockpit. Aus der angenehm tief integrierten Sitzposition muss sich der Fahrer jedoch mit der komplizierten Bedienung herumschlagen. Die Masse an kleinen Tasten sieht im Opel Astra Sports Tourer zwar panamerahaft-wichtig aus; immer die richtigen zu treffen, fordert aber selbst nach Eingewöhnung noch zu viel Konzentration.

Im Fond kommen die Passagiere im Opel Astra Sports Tourer nicht weniger beengt unter als im knapp geschnittenen Vorgänger. Zudem erschweren kurze Fondtüren mit kleinen Öffnungswinkeln den Einstieg auf die zu tief positionierte Rücksitzbank. Auf ihr fehlt es Erwachsenen nun anders als in der Limousine zwar nicht mehr an Kopffreiheit, doch der Knieraum bleibt bescheiden, der Höhenverstellbereich der Kopfstützen zu gering.

Opel Astra Sports Tourer  mit guter Serienausstattung

Seiner Eleganz opfert der Opel Astra Sports Tourer 40 Liter Kofferraumvolumen. Doch das gut geschnittene Gepäckabteil lässt sich über die niedrige Kofferraumkante leicht beladen. Das Hantieren mit Sperrgut erleichtern zudem clevere Details wie die federvorgespannte Rücksitzlehne. Vom Kofferraum aus entriegelt, wirft sie sich auf die Sitzbank. Mehr Klapperei muss meist gar nicht sein, weil die Ladefläche des Opel Astra Sports Tourer selbst dann fast eben ist, wenn die Sitzpolster nicht zusätzlich aufgestellt werden.

Hobby-Spediteuren geht Opel zudem mit stabilen Verzurrösen zur Hand, optional gibt es ein Trennnetz, auf seitlichen Schienen verschiebbare Haltepunkte oder etwas, das die Preisliste des Opel Astra Sports Tourer  "taschenartiges Seitennetz" nennt. Was man sich darunter vorzustellen hat, bleibt im Ungewissen, da Opel dieses Extra dem Testwagen vorenthielt. Sonst fehlt in der Version Sport wenig, die bequemen Ergonomiesitze zählen ebenso zur Serienausstattung des Opel Astra Sports Tourer wie Klimaanlage, CD-Radio und das auf Fingertipp hochfahrende Laderaumrollo. Einzig das hervorragende adaptive Bixenonlicht (1.250 Euro) sollte noch mit.

Agiles Fahrverhalten

Dringender jedenfalls als die adaptive Dämpferverstellung. Weil fast alle Extras bei Opel Flex Dingens heißen, nennt sie sich im Opel Astra Sports Tourer Flex Ride, variiert für 980 Euro Dämpferhärte, Gaspedal- und Servolenkungskennlinie in drei Modi. Der schon im Normalmodus hohe Federungskomfort bleibt nach einem Druck auf die "Tour"-Taste schunkelfrei, wird noch etwas geschmeidiger. "Sport" dagegen zählt zu den Dingen, die man im Leben einmal ausprobiert (diese großen Sitzbälle fürs Büro etwa), nur um festzustellen, dass das Leben nicht fescher wird, nur weil man es unbequemer hat.


Mit seinem sicheren, agilen Fahrverhalten hat der Tourer ohnehin keine Sport-Show nötig.
Die rückmeldungsstarke Lenkung führt ihn präzise um Biegungen. In Wolfsburg mögen sie die Mehrlenkerhinterachse segensreich für die Welt – oder zumindest die Kompaktklasse – halten. Im Opel Astra Sports Tourer-Heck zeigt das um ein oft erwähntes Wattgestänge bereicherte Verbundlenker-Ensemble, dass es vor allem auf gute Abstimmung ankommt.

Opel Astra Sports Tourer 1.500 Euro günstiger als Golf Variant

Viel Gutes gab es über die Triebwerke des Astra bisher nicht zu vermelden. Von überragenden Qualitäten ist auch der kernige, mit 6,9 L/100 km Testverbrauch nicht besonders sparsame Zweiliter-Turbodiesel des Opel Astra Sports Tourer entfernt. Doch ohne Laderlethargie und mit stämmigem Durchzug legt er los und überbrückt die Sprünge zwischen den leicht und präzise schaltbaren Stufen des lang übersetzten Sechsganggetriebes. Dass sich das Ganze flott, aber nie nach der Wucht von 160 PS und 350 Nm anfühlt, liegt am Gewicht des Opel Astra Sports Tourer. Mit 1.599 kg wiegt er nur 16 Kilo weniger als der größere Ford Mondeo 2.0 TDCi Turnier und 90 mehr als ein VW Golf Variant 2.0 TDI.

Den unterbietet der 20 PS stärkere Opel Astra Sports Tourer ausstattungsbereinigt im Preis um gut 1.500 Euro. Noch ein Vorzug des besten Opel Astra, des Sports Tourer – eines großen Autos, von dem man sich noch Größeres erwartet hätte. 

Wo stecken die 18 Zentimeter Längenzuwachs?

Mit 4.698 Millimeter Außenlänge überragt der Opel Astra Sports Tourer seinen Vorgänger um 183 Millimeter. Um herauszufinden, was er mit dem Wachstum anstellt, hat auto motor und sport bei beiden Autos den Abstand vom vorderen Karosserieende bis zum Hüftpunkt gemessen. Den legt die Sitzposition der Messpuppe Twiggi fest: In der tiefsten Position wird der Fahrersitz so positioniert, dass Twiggis Fuß auf dem Gaspedal liegt. Zwischen ihrem metallenen Hüftknochen und dem Bug liegen beim Opel Astra Sports Tourer 2.315 Millimeter, beim Astra H Caravan 2.130 – genau 185 Millimeter weniger.

Der gesamte Längenzuwachs steckt also im Vorderbau, nichts davon kommt den Passagieren oder dem Gepäckabteil des Opel Astra Sports Tourer zugute. Nicht nur beim Kofferraumvolumen (minus 40 Liter), sondern auch beim Radstand bietet der neue Kombi sogar weniger als der alte. Beim Astra H Caravan streckte Opel den Radstand im Vergleich zur Limousine um 89 auf 2.703 Millimeter – 18 mehr, als der neue Opel Astra Sports Tourer aufweist.

Technische Daten:

Astra Sports Tourer 2.0 CDTI ECOTEC

Motor:Reihenmotor
Zylinder:4
Hubraum:1956 cm³
Leistung:118 KW (160 PS)
Drehmoment (bei U/min):350
Leergewicht:1664 kg.
Beschleunigung (0-100 km/h):
Höchstgeschwindigkeit:212 km/h
Kraftstoff:Diesel
Grundpreis:27.245 €

Quelle: 2011 Motor-Presse Stuttgart
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