Die japanische Marke übernimmt innerhalb des Ford-Konzerns die Entwicklungskompetenz für künftige Kleinwagen-Plattformen. Darauf entstehen konzeptionell interessante Nachfolger für die Baureihen Mazda 2, Ford Fiesta und Fusion. Der nächste Ka hingegen entsteht in Kooperation mit Fiat in Polen.
Dass Ford mit Fiat beim Ka-Nachfolger gemeinsame Sache macht,
ist kein Schnellschuss, sondern wurde von langer Hand eingefädelt.
Bereits vor zwei Jahren hatte der damalige Ford
Europa-Entwicklungschef Martin Leach zwecks einer
Kleinwagen-Kooperation die Fühler nach Italien ausgestreckt -
damals aber waren Fiat durch die Liaison mit General Motors noch
die Hände gebunden.
In der Zwischenzeit sind diese Fesseln gesprengt, und Ford
hat nun für die Neuauflage des Ka über Fiat Zugang zu einer
Kleinwagenplattform nebst Fertigung im Niedriglohnland Polen. Die
ursprüngliche Idee, den neuen Ka auf eine verkürzte
Fiesta-Architektur zu stellen, hätte sich für Ford aus Gewichts-
und Kostengründen nämlich nicht gerechnet.
Zwar kann der Ka im Gegensatz zum bereits weitgehend fertigen
und 2007 anrollenden Fiat 500 erst 2008 in Serie gehen, weil Ford
noch Adaptionen für die fremde Plattform vornehmen und das Design
modifizieren muss, aber danach sollen im polnischen Werk Tychy
jährlich 120.000 Ka vom Band laufen - genauso viel wie Fiat vom 500
produzieren will. Da die Fabrik schon heute an ihre
Kapazitätsgrenzen stößt, wird sie bis dahin ausgebaut.
Fiat 500 und Ford Ka später auch als Cabrio und
Kombi
Beide Autos – anfangs jeweils nur zweitürig und mit
Schrägheck-Karosserie lieferbar , später aber auch in Cabrio- und
Kombi-Varianten erhältlich – sollen sich stilistisch so stark
unterschieden, dass angeblich nicht einmal die teuren Seitenteile
identisch sind.
Als Gegenleistung für das Platform-Sharing erhält Fiat Zugang
zu einem Dreizylinder-Benziner mit rund 850 Kubikzentimeter, den
Ford so gut wie fertig entwickelt in der Schublade hat und der dann
ebenfalls gemeinsam produziert werden könnte - spätere
Dieselversion nicht ausgeschlossen. Zum Serienanlauf sollen aber
bestehende Fiat-Vierzylinder (Einliter-Benziner und
1,3-Liter-Turbodiesel) installiert werden.
Die Kompetenz für die Entwicklung künftiger
Kleinwagenplattformen wandert innerhalb des Ford-Konzerns an Mazda.
Der japanische Allianz-Partner ist demnach für die technische
Ausrichtung der nächsten Fiesta- und Fusion-Generation zuständig -
gleichzeitig streben Ford und Mazda eine größere konzeptionelle
Diversifizierung zwischen beiden Marken im Kleinwagensegment an.
Einen ersten Ausblick in die neue Richtung gab auf der IAA
die im europäischen Mazda-Designstudio Oberursel entworfene Studie
Sassou. Die Serienversion debütiert als viertürige
Schrägheck-Limousine und Nachfolger des Mazda 2 bereits auf dem
Pariser Salon im Herbst 2006.
Ein Jahr später soll die Mazda 2-Familie dann insgesamt drei
Mitglieder umfassen: in Vorbereitung sind ein kleines Sportcoupé,
dessen Design aus dem Stammhaus in Hiroshima stammt, und ein
Kompaktwagen im SUV-Look, der in den USA gestylt wird und der
ähnlich dem Skoda Yeti (Debüt 2008 auf Basis des VW Polo) nur
Front- und keinen Allradantrieb haben wird.
Ford Fusion als MPV ohne B-Säule und mit
Schmetterlingstüren
Ford will sich in dieser Klasse zwar nach wie vor mit zwei
Modellen begnügen, von denen aber eine zumindest spektakulär zu
werden verspricht. Während der auf 2008 terminierte
Fiesta-Nachfolger dem Mainstream verbunden bleibt, soll die nächste
Generation des größeren und höheren Fusion völlig anders
positioniert werden. Angedacht ist ein kleiner MPV mit gegenläufig
öffnenden Türen, der aufgrund besonders stabiler Quer- und
Längsträger im Bodenblech ganz ohne B-Säulen auskommen soll.
Speziell Mazda hat mit der neuen Kleinwagen-Generation Großes
vor. Die Ausdehnung der Modellpalette sowie der Eintritt in neue
Märkte wie Russland soll die Verkaufszahlen von 300.000 auf 500.000
Einheiten jährlich treiben. Das macht auch neue Werke erforderlich,
denn Mazda ist in nahezu allen Baureihen durch zu enge
Produktionskapazitäten geknebelt. Als Standorte sind neben Japan
zwar auch europäische Länder im Gespräch, intern favorisiert wird
aber das Reich der Mitte: China.