Immer mehr Autos lassen sich mit teuren Xenonscheinwerfern ausrüsten. Lohnt das helle Extra? AUTO macht den Test
Schön, das neue Auto. Innen duftet es nach teurem Leder, außen glitzert der zubezahlte Metallic- Lack. Und das Licht? "Gute Halogenscheinwerfer sind Serie", betonte der Verkäufer und murmelte etwas von "Aufpreis für Xenon mit Kurvenlicht". So endete das Verkaufsgespräch, wie viele enden: Kreuzchen für Glitzerlack, Strich für Xenonlicht. Ein Fehler? AUTO macht den Test und fährt vier beliebte Modelle nach Lippstadt in den weltgrößten Lichtkanal. Das 140 Meter lange überdachte Stück Bundesstraße wird nacheinander von je zwei 1er BMW, Ford Focus und Opel Astra beleuchtet. Die Modelle unterscheiden sich durch Reflektions- und Projektionsscheinwerfer, Halogen- und Xenonlicht.
Mercedes liefert gleich drei E-Klassen, da es die Stuttgarter Mittelklasse auch mit Intelligent Light System (ILS) gibt. Diese klugen Scheinwerfer kosten 1619 Euro. Wie gut sie sich an verschiedene Fahrsituationen anpassen und das Kurvenlicht der anderen arbeitet, zeigt eine Fahrt unter Sternen. Doch zuerst in den Lichtkanal. Und da kommt es zur Panne: AUTO überprüft die Lichteinstellung auf einer genau nivellierten Fläche und muss neun (!) Mal korrigieren. Einige Scheinwerfer strahlen zu hoch, andere zu tief. Ein Schummelversuch? Keine Chance. Neben den bekannten Fahrbahnmarkierungen verfügt der Lichtkanal über kleine graue Tafeln, die im Abstand von 20 Metern rechts und links neben der Fahrbahn aufklappen. Anhand dieser Orientierungshilfen wird die Reichweite des Lichts bestimmt.
Eine wichtige Angabe, denn nur wer ein Hindernis - wie etwa Fußgänger - rechtzeitig erkennt, kann bremsen oder ausweichen. 80 Meter schaffen BMW 1er, Ford Focus und Opel Astra, jeweils mit Halogenlicht. Die E-Klasse mit Bi-Xenon kommt auf 120 Meter. Der Unterschied dieser beiden Lichtarten ist einfach erklärt: Gasentladungslampen (Xenon) strahlen rund zweieinhalbmal heller als H7-Glühlampen. Ihr weißes Licht lässt sich mit der Leuchtdichte erklären. Dieser Wert beschreibt den Helligkeitseindruck des Auges und wird in Candela pro Quadratmeter (cd/m2) gemessen. Zum Vergleich: Eine 55 Watt starke H7-Glühlampe schafft eine Lichtausbeute von 1450 Lumen, eine Gasentladungslampe mit 35 Watt 3000 Lumen. Doch starke Lampen allein genügen nicht - wie der BMW 1er zeigt. Im Lichtkanal wird deutlich: Die Scheinwerfer des Kompakten sind eher punktgerichtet abgestimmt und leuchten nicht wirklich weit. Dadurch wird die eigene Fahrbahn zwar gut erhellt, die Gegenspur bleibt jedoch duster. Was bei Kolonnenfahrten und im Stadtverkehr nicht weiter stört, nervt auf der Landstraße.