04.03.2009 - 10:00 Uhr von Bernd Woytal

Honda S 800 Coupé: Aufgehende Wonne

MKL-Format Honda S 800 Coupé MKL 0109
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MKL-Format Honda S 800 Coupé MKL 0109

Das Ganze erinnert an einen japanischen Autobausatz im Maßstab eins zu eins: Aus vielen erworbenen Einzelteilen ließ Marc Graf aus Luzern innerhalb von fast vier Jahren ein komplettes Honda S 800 Coupé entstehen.

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Ein Ausgleich musste her. Die tägliche Büroarbeit ließ bei Marc Graf aus Luzern eine Unzufriedenheit entstehen, für die er ein Gegenmittel suchte. Wie dieses aussehen sollte, stand im Prinzip fest: "Ich wollte wieder was mit den Händen machen." Ein kurzer Ausflug in die Welt des Modelleisenbahnbaus brachte nicht den gewünschten Erfolg. Vielleicht macht mir das Hantieren mit größeren Objekten mehr Freude, dachte sich der Schweizer - und wechselte spontan in die Oldtimer-Szene.

Ein Porsche 356 schien ihm ein geeignetes Auto zu sein, doch die hohen Preise erwiesen sich als Prellbock für diese Idee. Graf entschied sich daher zu einem Besuch des Oldtimer & Teilemarkts Schweiz in Fribourg, um sich bei den dort präsenten Clubs einmal umzusehen.

Der Besuch lohnte sich, denn der Stand des Honda Clubs Schweiz war die Endstation seiner Suche. Dort erregte der winzige Nippon-Flitzer namens S 800 sein Interesse. Doch lag das nicht an den Folgen seines zuvor auf den Maßstab 1:87 begrenzten Modellbau-Hobbys, sondern an plötzlich lebendig werdenden Erinnerungen.

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Kurios: Aus dem verstreuten Ersatzteilträger entsteht ein Vorzeige S 800

Während seiner Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker in den frühen Siebzigern hatte ihn nämlich ein Kundenauto besonders fasziniert: ein Honda S 800. Als der Besitzer den Wagen gegen einen Alfa eintauschte, konnte Graf den Honda sogar übernehmen. Doch er besaß ihn nur kurze Zeit: "Allein die Ersatzteile waren sehr teuer. So kostete damals beispielsweise der Anlasser drei mal so viel wie mein monatliches Lehrlingsgehalt."

Und nun, rund 30 Jahre später, stand er zwischen den Mitgliedern des Schweizer Honda Clubs und fragte aufs Geradewohl, ob es denn ein restaurierungswürdiges Exemplar zu kaufen gäbe. "Einer sagte, er hätte noch ein Chassis mit den zugehörigen Teilen. Und ein anderer meinte, er könne noch eine Karosserie beisteuern", erinnert sich Graf.

Lustigerweise stellte sich später heraus, dass Karosserie und Fahrgestell zueinandergehörten. Im Club hatte man offensichtlich das Auto irgendwann einmal zum Ersatzteilträger auserkoren und zerlegt. Die Einzelteile landeten dann in verschiedenen Garagen und fanden nun dank Marc Graf wieder zusammen.

Vom Fahrzeug selbst weiß Graf nur, dass es sich um ein Exemplar des Baujahrs 1968 handelt und einer der Besitzer ein Elektroingenieur aus dem Kanton Bern war. Aber was dann in seiner Garage stand, erinnerte nur entfernt an ein Auto. Das Chassis präsentierte sich weitgehend demontiert, daneben lagen diverse Technikkomponenten und eine unvollständige, verrostete Karosserie. So mancher hätte bei diesem Anblick die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und wäre davongelaufen.

Penible Dokumentation hilft bei der Restaurierung

Doch Graf besitzt einen gesunden Optimismus: "Ich habe gar nicht daran gedacht, dass das nicht klappen könnte." Er blieb gelassen und dachte: Im Notfall kennst du jemand, der dir dann weiterhilft.

Unter diesem Aspekt erwies sich sein Beitritt in den Club als sehr wichtig. Die Mitglieder sahen bei Ausflügen immer mal wieder in seiner Garage vorbei und sparten nicht mit guten Ratschlägen. Doch zunächst musste die Restaurierung überhaupt einmal anlaufen.

Graf begann alles, was noch beieinander war, ebenfalls zu zerlegen. Dabei ging er sehr weitsichtig vor. Zerlegte Komponenten reihte er so auf wie in einer Explosionszeichnung und fotografierte sie. Er beschriftete Anschlüsse gelöster Kabel, und manche zusammengehörigen Einzelteile markierte er mit den gleichen Schlagzahlen. "Das machte die spätere Montage narrensicher", erläutert Graf.

Zuerst konzentrierte er sich auf das Chassis, das er nach dem Check auf einer Richtbank zum Sandstrahlen brachte und anschließend feuerverzinken ließ. Stück für Stück baute er dann den schwarz lackierten Rahmen auf. Das Sandstrahlen kleinerer Teile wie beispielsweise der Querlenker übernahm er selbst. Die Möglichkeit dazu fand er in der Firma, in der er arbeitete. Auch die Lackierung der Achsteile führte er in Eigenregie durch.

Alle zum Chassis gehörenden Elemente prüfte er, überholte sie oder ersetzte sie durch Neuteile. Und wieder bewies er Weitsicht. Um spätere Komplikationen bei der Zulassung des kleinen Honda zu vermeiden, nahm er von Anfang an einen Ingenieur der sogenannten Fahrzeugkontrolle mit ins Boot. Der kam zu ihm in die Garage, informierte sich über den Stand der Arbeit und machte entsprechende Fotos. Dieses Procedere wiederholte sich, sobald ein weiteres wichtiges Kapitel der Restaurierung abgeschlossen war.

Größtes Problem: Ersatzteile besorgen

Nach dem Chassis kam die Karosserie an die Reihe, an der die Vorderkotflügel fehlten. Graf plante zunächst, einen einst erworbenen Vorderbau aus Kunststoff zu verwenden, nahm aber dann davon Abstand, weil er nicht seinen Perfektionsansprüchen genügte: "Bei genauem Hinschauen wirkten die Kotflügel etwas bauchiger als die Originale." So machte er sich auf die Suche nach Blechkotflügeln.

Überhaupt nahm die Beschaffung der Ersatzteile sehr viel Zeit in Anspruch. Neben seinen Clubkameraden und einigen europäischen Anbietern steuerten auch Firmen aus Übersee Teile zur Restaurierung bei. Natürlich nutzte Graf dazu das Internet. Mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms gelangte er auf die Seite von japanischen Händlern, nachdem er die Fahrzeug- und Teilebezeichnung in Englisch eingetippt hatte.

Noch leichter wurde der Kontakt nach Asien, als er über mehrere Ecken die Bekanntschaft eines deutsch sprechenden Japaners machte. So kam er nach und nach an die gesuchten Sachen, "aber die Transportkosten lagen oft deutlich über dem Warenwert", nennt Graf das einzige Manko dieser fernen Ersatzteilquellen.

Alles zurück auf Anfang: Originalität ist Pflicht

Doch zurück zur Karosserie. Die musste zunächst an den Rahmen angepasst werden, was sich als problematisch erwies. Wo welche der diversen Gummilager hingehörten, die Graf beim Kauf des Chassis bekommen hatte, ließ sich nämlich nicht so ohne weiteres erkennen. Selbst ein Vergleich mit anderen Fahrzeugen brachte ihn nicht weiter. Er probierte lange hin und her, um dann festzustellen, dass die alten Lager nicht mehr brauchbar waren. Kurzerhand ließ er sich die etwa 30 benötigten, unterschiedlich geformten Gummiteile neu fertigen.

Als die Karosse endlich perfekt saß, passte ein Spengler die neuen Kotflügel an und fixierte sie mit einzelnen Schweißpunkten. Nun wanderte die Hülle in die Werkstatt des Spenglers, wo er sie mit viel Enthusiasmus und Feingefühl richtete. Dabei traten auch einige Unfallschäden zu Tage, und man sah deutlich, dass der Honda mehrmals umlackiert worden war. Als Ursprungsfarbe stellte sich Gelb heraus, und in diesem Ton sollte das kleine Coupé wieder erstrahlen.

Schwund gibt’s immer, ob beim Verchromer oder engagierten Restaurator

Da bei Glasurit Unterlagen über die Zusammensetzung der Originalfarbe fehlten, wurde sie anhand eines noch in der ursprünglichen Farbe lackierten Stück Blechs entsprechend gemischt. Um die Kosten für die Lackierung etwas zu minimieren, übernahm Graf die jeweils anfallenden Schleifarbeiten selbst, was er so schnell nicht vergisst: "Ich habe 140 Stunden geschliffen und mir dabei einen Versensporn eingehandelt."

Zwischenzeitlich hatte er auch den Motor auseinandergenommen. Die Überholung und Montage überließ er allerdings dem Clubmitglied und Honda S 800-Spezialisten Röbi Meury.

Die fast vier Jahre dauernde Restaurierung lief wie am Schnürchen. Lediglich kleinere Probleme wie die Lieferung falscher Teile oder eine Panne beim Verchromer sorgten für ein wenig Verdruss. Letzterer sollte neben anderen Dingen die Scharniere der Heckklappe neu verchromen. Doch im Galvanikbad lösten sich die Alu-Gussteile auf und waren verschwunden.

Als dann schließlich das perfekt restaurierte Wägelchen zur Fahrzeugkontrolle vorfuhr, konnte Graf ganz entspannt bleiben. Dank des regelmäßigen Kontakts zu einem Prüfer war der Termin ein Klacks. Und nun sucht Graf nach einem neuen Ausgleich.

Technische Daten:

S 800

Motor:Reihenmotor
Zylinder:4
Hubraum:791 cm³
Leistung: (67 PS)
Drehmoment (bei U/min):68,6 (5800)
Leergewicht:780 kg.
Beschleunigung (0-100 km/h):13,7 s
Höchstgeschwindigkeit:160 km/h
Kraftstoff:
Grundpreis:

Quelle: www.auto-motor-und-sport.de - Alle Rechte vorbehalten. - Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Motor-Presse Stuttgart
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